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Brasilien kündigt Unterstützung eines globalen Impfprogramms
und der IFFIm an, um weltweit Millionen Kinder
in den ärmsten Ländern zu retten

Unter der Führung von Präsident Lula tritt Brasilien der Initiative mehrerer europäischer Länder zur Beschaffung von Geld für die GAVI Alliance auf den Kapitalmärkten bei

LONDON 9. März 2006 --Der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva kündigte heute an, dass Brasilien in den nächsten 20 Jahren insgesamt 20 Millionen US-Dollar für den IFFIm (International Finance Facility for Immunization) bereitstellen will. Damit schließt sich Brasilien den sechs europäischen Ländern Frankreich, Italien, Norwegen, Spanien, Schweden und Großbritannien an, die dieses neuartige Finanzierungskonzept bereits unterstützen, mit dem die Zahl der Kinder, die jährlich in den ärmsten Ländern der Welt an Krankheiten sterben, für die ein Impfschutz existiert, deutlich verringert werden soll.

Mit IFFIm sollen 4 Mrd. US-Dollar für die Finanzierung von Impfprogrammen über einen Zeitraum von zehn Jahren durch Pfandanleihen von Gebern mit Laufzeiten von 2006 bis 2025 beschafft werden. Mit dieser Investition sollen von 2006 bis 2015 insgesamt 5 Millionen Kinder vor dem Tod bewahrt werden. Diese neue Gelder werden die Arbeit der GAVI Alliance (ehemals „Global Alliance for Vaccines and Immunisation“) unterstützen, einer führenden Global Health Partnership, der Unicef, die Weltgesundheitsorganisation, die Weltbank, die Bill & Melinda Gates Foundation sowie Vertreter von Impfstoffherstellern aus Industrie- und Entwicklungsländern angehören.

„Mit Hilfe der ‚International Finance Facility for Immunisation’ können Millionen Menschenleben gerettet werden, deren Tod vermeidbar wäre“, sagte der britische Finanzminister Gordon Brown in seiner Stellungnahme zur Ankündigung des brasilianischen Präsidenten bei dessen Staatsbesuch in Großbritannien. „Daher freue ich mich ganz besonders, dass Präsident Lula heute seine Unterstützung für dieses innovative Finanzierungsmodell zugesagt hat. Präsident Lula engagiert sich seit vielen Jahren unermüdlich für den Kampf gegen die Armut in der Welt und ich freue mich auf die weiterhin enge Zusammenarbeit mit ihm im Hinblick auf die Erreichung der Millennium-Entwicklungsziele.“

„Brasiliens Beitrag ist sehr beeindruckend“, sagte Dr. Julian Lob-Levyt, Executive Secretary der GAVI Alliance. „Er unterstreicht das große Interesse eines der vier weltweit größten Emerging Markets, auch bei der Hilfe für die ärmsten Länder künftig eine wichtige Rolle zu spielen.“

„Wir danken Brasilien für seinen Beitrag zum IFFIm”, sagte Lob-Levyt. „Und wir freuen uns, das Knowhow Brasiliens als Verbraucher und Hersteller von Impfstoffen für unsere Ziele nutzen zu können. Diesem Land ist es gelungen, eine starke eigene Impfstoffproduktion aufzubauen und gleichzeitig landesweite Impfprogramme durchzuführen, die sogar Kinder in den entlegensten Gegenden erreichen.“

Mit den neuen Geldmitteln des IFFIm wird die GAVI Alliance gemeinsam mit den Partnern ihre Bemühungen aufstocken, um weltweit noch Millionen weiterer Kinder mit lebensrettenden Impfstoffen zu versorgen und gleichzeitig die Gesundheitssysteme der betroffenen Länder zu stärken. IFFIm steht unter der Aufsicht einer wohltätigen Einrichtung mit einem fünfköpfigen Vorstand aus ehrenamtlichen Mitgliedern.

„Dieses neuartige Finanzierungskonzept ist besonders interessant, weil damit Kapital direkt von den Kapitalmärkten an einen Platz fließen kann, wo es das Leben der Ärmsten dieser Welt nachhaltig verbessern kann,“ sagte Alan Gillespie, Chairman der Ulster Bank Group und Vorstandsvorsitzender des IFFIm. „Statt überschüssige Mittel auf den Kapitalmärkten an gewinnorientierte Einrichtungen zu verlieren, investieren wir einen Teil davon in die Entwicklung.“

Seit ihrem Start im Jahr 2000 hat die GAVI Alliance bewiesen, dass Entwicklungshilfe tatsächlich greifen kann, wenn die Mittel gezielt eingesetzt und die Programme flexibel gestaltet werden. In den Ländern, die Mittel von GAVI erhalten haben, wurden flächendeckende Impfungen durchgeführt und neue Impfstoffe erfolgreich eingeführt.

„Ein Schlüssel für diesen Erfolg war das GAVI-eigene Konzept“, sagte Lob-Levyt. „Es belohnt positive Ergebnisse, gestattet aber den Empfängerländern auch die Entwicklung eigener Impfpläne zur Erreichung ihrer Ziele. Ihr Erfolg hat wiederum die Aufmerksamkeit weiterer Geber geweckt.“

„Diese Beschaffung beachtlicher Geldmittel für Impfprogramme durch GAVI war nur möglich, weil die Länder Erfolge vorzuweisen haben“, sagte Lob-Levyt. „Die Entscheidung Brasiliens, sich ebenso wie bereits Frankreich, Italien, Norwegen, Spanien, Schweden und Großbritannien an IFFIm zu beteiligen, ist ein Beweis des Vertrauens, nicht nur in GAVI, sondern auch in die 72 Länder, mit denen wir in den letzten fünf Jahren gearbeitet haben.“

Dr. Ciro de Quadros, Präsident und CEO des „Albert B. Sabin Vaccine Institute“ in Washington DC und Vorsitzender von GAVIs unabhängigen Kontrollrat erklärte, dass Brasilien seine Unterstützung des IFFIm in der gleichen Woche bekannt gibt, in der es einen von zwei neuen Impfstoffen gegen Rotaviren vorstellt. Mit dieser Entscheidung stellt Brasilien erneut sein Engagement für das Wohl seiner Kinder unter Beweis.

„In diesem Jahr wird die Regierung damit drei Millionen Neugeborene gegen diese Krankheit impfen, die zu starker Diarrhoe mit Dehydrierung führt und weltweit jedes Jahr 500.000 Kinder tötet“, sagte de Quadros.

Der Erfolg der globalen Immunisierungsprogramme zeigt sich in den 1,7 Millionen Kindern, die mit Hilfe von GAVI bis Ende 2005 gerettet werden konnten. Seit 2001 hat die GAVI Alliance Impfprogramme für 115 Millionen Kinder mit Impfstoffen der neuesten Generation gefördert. Die Zahl der Kinder, die damit gegen tödliche Krankheiten wie Hepatitis B und Gelbfieber weltweit geimpft werden, soll nach WHO-Angaben bis 2008 auf 225 Millionen steigen. Auch bei den Impfstoffherstellern ist der Einfluss der Alliance spürbar geworden.

Als Käufer großer Impfstoffmengen hat GAVI das Interesse der Hersteller an der Impfstoffproduktion auf eindrucksvolle Weise gestärkt. Während es vor einigen Jahren nur einen einzigen Hersteller eines kombinierten Impfstoffs gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Hepatitis B gab, haben mittlerweile 11 Firmen Angebote für die Belieferung mit Impfstoffen in 2006 abgegeben.

Lob-Levyt wies darauf hin, dass die GAVI Alliance auch bei der Entwicklung einer weiteren möglichen Investition in umfangreiche Impfprogramme eine Rolle spielen wird, mit der ein finanzieller Anreiz für die Entwicklung von Impfstoffen gegen Krankheiten geschaffen werden soll, die vor allem arme Länder betreffen. Gemeinsam mit der Weltbank berät GAVI die G7-Staaten zum Thema „Advanced Market Commitments (AMCs)“ und wie dieses Pilotprogramm entwickelt werden kann. Die gemeinsamen Empfehlungen von GAVI und der Weltbank werden in die Entscheidungen der G7-Staaten bei ihrer Frühjahrstagung im April einfließen.

Eine dritte Initiative, die bei der Pariser Konferenz über innovative Finanzierungsinstrumente am 28. Februar vorgestellt wurde, zielt darauf ab, eine Entwicklungsabgabe auf den Verkauf von Flugtickets zu erheben und daraus Mittel für den Kauf von Medikamenten gegen Pandemien wie AIDS, Tuberkulose und Malaria zu erzielen.

„Von den über 10 Millionen Kindern, die alljährlich vor ihrem fünften Geburtstag sterben, sterben 2,5 Millionen an Krankheiten, die mit bereits vorhandenen oder neuen Impfstoffen verhindert werden können“, sagte Lob-Levyt. „Diese innovativen neuen Ansätze zur Kostendeckung für die Entwicklung und Bereitstellung neuer Impfstoffe und weiterer weltweiter Gesundheitskonzepte werden die Sterberaten deutlich verringern. Wir wissen, dass IFFIm nur ein Anfang ist.“

Die GAVI Alliance

Als Allianz der wichtigsten Akteure auf dem Gebiet der Immunisierung gehören zur GAVI Alliance Regierungen von Entwicklungs- und Geberländern, die Weltgesundheitsorganisation (WHO), UNICEF, die Weltbank, Impfstoffhersteller in Entwicklungs- und Industrieländern, Forschungs- und Gesundheitseinrichtungen, NROn und die Bill & Melinda Gates Foundation. Mit Hilfe von GAVI wurden bis Ende 2005 schätzungsweise über 1,7 Millionen Todesfälle verhindert.

Die Arbeit von GAVI trägt in erheblichem Umfang zum Erreichen der Millennium-Entwicklungsziele in Bezug auf die Kindersterblichkeit bei, die danach bis 2015 um zwei Drittel gesenkt werden soll. Von den über 10 Millionen Kindern, die alljährlich vor dem fünften Lebensjahr sterben, sterben 2,5 Millionen an Krankheiten, gegen die Impfstoffe bereits vorhanden sind oder entwickelt werden können.

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Dr. Akira Homma, Direktor von Fiocruz, auch unter der Bezeichnung Bio-Manguinhos bekannt, vertritt derzeit die Impfstoffhersteller in den Entwicklungsländern im Vorstand der GAVI Alliance.